PDA

Vollständige Version anzeigen : 722.4 inside


Schopy
23.09.2009, 13:29
Hi!

Ich hatte mir ja mal einen 280er Motor mit zugehörigem 722.433-Automaten geholt, um diese beiden Dinger für den Notfall als Tauschaggregate liegen zu haben. Nun, es kam damals ja irgendwie anders (Der Verkäufer hatte mal eben 112000km runtergeschummelt) und das Unheil nahm seinen Weg...Meiner Neugier folgend konnte ich die Finger nicht davon lassen... Dem M104 habe ich zerlegt, neu gelagert und gedichtet und er kommt demnächst rein. Hoffentlich geht alles gut, mache sowas zum ersten Mal.

Die Tage habe ich mir dann mal das Getriebe vorgenommen, von dem der letzte Halter und Verunfaller (nicht der Verkäufer der Teile) sagte, dass es super fährt, nur der Rückwärtsgang eben ein paar Sekunden braucht, um reinzufluppen. Klang auch soweit glaubhaft, er hat sich aufgrund Begeisterung für den 124 auch einen 220TE wieder geholt. Also war mein Gedanke nach Internetrecherche "das werden wohl die Teflonringe am Arbeitskolben im Deckel sein", die undicht werden und die die LB3 (für R zuständig) dazu veranlassen, verzögert Druck aufzubauen.

Als ich dann aber die Ölwanne am Automaten abgenommen habe, änderten sich meine Pläne schlagartig. Unten waren deutlich sichtbar Späne vorhanden, und beim ersten Drehen des Automaten, als er mal auf dem Kopf stand, klapperten mich aus dem Inneren irgendwelche Metallteile an. Also Grütze, das Ding. So nicht einbaubar, auch wenn er bis zum Bums gelaufen ist. Also zerlegen und reingucken. Mehr, als das das Teil kaputt bleibt, kann ja nicht passieren.

Das Schaltschiebergehäuse habe ich dann zuerst ausgebaut, zerlegt und gereinigt (Doku spare ich mir, hat Fleibaka schon hervorragend gezeigt).

Heute hab ich dann mal den vorderen Deckel abgenommen, um mir das Gehäuse von Innen anzusehen.

Eigentlich ganz gut, bis mir bei Entnahme des Kolbens Rückwärtsgang auffiel, dass ein Stück herausgebrochen war...(bild 1)

Bei weiterem Fummeln kam dann das Bruchstück zu Tage, das sich hinter dem B1 versteckte (bild 2, Pfeil unten)...zusammen mit der ebenfalls zerbröselten Tellerfeder LB3 (bild 2 oberer Pfeil)...erstaunlich, dass das Getriebe überhaupt noch funktionierte. Bild 5 zeigt die entnommene Feder sowie die ebenfalls zerbröselte Kunststoffbeilage, den gut erhaltenen Druckstift B1 mit Ausgleichscheiben und die Metallfeder des Rückwärtsgangs.

Auffällig: Die LB3 hat vier Reiblamellen. Es wäre zu vermuten, dass die nach 265000km und defektem R-Kolben nur noch ein Haufen Elend sind. Die ersten beiden waren auch hinüber, aber nach hinten hin wurde es besser. Auf der Rückseite der vierten konnte man sogar noch die aufgedruckte Beschriftung lesen...Bild 3. Erstaunlich, was son Automat aushält. Im Schaltschiebergehäuse fand sich übrigens nicht ein einziger Span, gingen alle nur in die Wanne und blieben im Getriebegehäuse hängen.

Bild 4 zeigt die Teflonringe, die ich zuerst als Übeltäter im Hinterkopf hatte. Eigentlich ganz einfach zu wechseln, wenn das Getriebe draußen ist.

Soweit für heute. Ich werde in nächster Zeit, wenn gewünscht, immer mal Bilder der Sektion beisteuern und dem Interessierten einen Einblick in die oft unbekannten und mancherorts als Hexenwerk beschrieben Teifen des Automatikgetriebes gewähren...Evtl. (wenn ich günstig an Ersatz- und Verschleißteile komme) versuche ich auch mal, das Dingen wieder herzurichten. Aber erstmal gibts diverse andere Baustellen.

Gruß

Schopy
27.09.2009, 10:15
Nächster Teil...

Unter dem Kolben für den Rückwärtsgang befindet sich die Primärpumpe, die den ganzen Automaten mit Öldruck versorgt und das Öl außerdem durch den Kühler befördert. Weil im Getriebe ja Späne lagen, musste die Pumpe geöffnet werden, um den Zustand betrachten zu können.

Um den Kolben abnehmen zu können, muss man den Aluring (Bild 4 im Post darüber), der die ganzen Federn hält, runterdrücken und dann einen versteckten Sprengring abnehmen. Nix für die Finger, aber mit nem Bohrmaschinenständer, einer Abstützung und einem untergelegten Holzbrett (Um den Zapfen zum Drehmomentwandler zu schonen) ging es ganz gut...

Bild 1 zeigt schon den Deckel ohne die Pumpe. Die Pumpe bekommt man gut vom Deckel getrennt, wenn man in zwei gegenüberliegende Schraubenlöcher (insg. 5) längere Schrauben dreht und diese dann vorsichtig mit einem Hammer antickert.

Bild 2 ist dann die Pumpe mit einem Abdeckblech. Zwar sind die üblichen ABlagerungen zu erkennen, aber noch keine Späne...ich bin guter Dinge...Und erinnere mich an Michels Worte: "Zu irgendwas muss der (teure) Ölfilter ja gut sein..."

Bild 3 dann ohne Deckel. Hier gut zu erkennen, warum das Gebilde Mondsichelpumpe heißt...Auch hier blankes Metall ohne Späne. Ich bin entzückt...
Über die beiden Innzapfen wird das innere Zahnrad vom Wandler angetrieben, der dann den dunkleren Außenring dreht und das Öl in die Bohrungen drückt. Schwupps ist Öldruck da.

Aus irgendwelchen Gründen habe ich die Innenteile rausgenommen, aber keine Fotos gemacht. Waren aber auch keine Späne drin. Also wird die Pumpe wieder eingebaut. Neue Dichtungen+Simmering zum Wandler besorgen, vorsichtig einsetzen und dann Schrauben mit 20nm anziehen und weglegen, bis ich einen neuen Kolben-Rückwärtsgang habe. Der alte ist ja im Eimer.

Schopy
27.09.2009, 18:48
und weiter...

Jetzt gehts dem Getriebe an den hinteren Deckel...Bild 1

Dazu muss zuallererst der hintere Flansch ab. Parksperre einlegen, die Einschlagsicherung der 30er 12kantmutter (mit ner 12kant Langnuss geht sie ab) soweit es geht rausfrickeln und nen langen Hebel ansetzen...oder Schlagschrauber...auf Bild 2 isser ab.

Dann die 9 Schrauben lösen, die den Deckel halten und vorsichtig mit nem Plastikhammer abklopfen...Bild 3. Auf Bild 4 guckt man dann dem Getriebe in den Hintern. Hat quasi den A.... offen. Bild 5 sieht man die Innenseite des Deckels.

Schopy
27.09.2009, 19:05
Dann habe ich mich erst mal an den Fliehkraftrgeler gemacht.

Deckel auf der rechten Seite runter (Bild 1, bei älteren Getrieben sitzt da die Sekundärölpumpe), Deckel links reindrücken und Sprengring rausnehmen. Dann siehts aus wie auf Bild 2. Die kleinen Ösen links des Reglers muss man ein Stück zusammendrücken und man kann den Regler rausziehen (Bild 3).

Auf Bild 4 sind dann auch schon Parksperre, Führung des Bereichswahlschiebers, Schraubenrad zum Fliehkraftregler und das Ölrohr raus. Zwei Sprengringe müssen dazu von der Abtriebswelle gefummelt werden.

Bild 5 zeigt dann das leere Hinterteil, Radsatz mit Abtriebswelle ist schon draußen.

Schopy
04.10.2009, 11:41
Nun kann man eigentlich schon, wenn man wie ich ein wenig fummelt, den Radsatz mit K1 und LB3 rausnehmen. Oder man holt erst die Kolben der Bremsbänder raus. Da habe ich leider nur wenig Fotos gemacht - weil B2 supereinfach geht, und man bei B1 beide Hände braucht...Trotzdem mal ein grober Eindruck:

Bild 1 zeigt den bereits ausgebauten Kolben B2 mit Deckel und Druckstift. Den Stift gibts in verschiedenen Längen zwecks Einstellung des Losspiels des Bremsbandes B2. Zur Entnahme drückt man dessen Deckel mit dem Daumen nach Innen und holt mit einem Schraubendreher den Sprengring raus. Die Größe des Rings täuscht, der fluppt ganz einfach raus und ohne durch den Raum zu fliegen.

Bild 2 zeigt den Drückkörper des B2. Liegt genau gegenüber und hilft beim Zusammendrücken des Bremsbandes. Normal sitzt da auch noch ein Stift drin, der aber schon entnommen ist. Die Bremsbänder B1 und B2 haben übrigens (grob gesagt) den Sinn, jeweils die Halter der Kupplungen K1+K2 abzubremsen und somit ein anderes Übersetzungsverhältnis im Radsatz herzustellen. Bei meinem derzeit verbauten Getriebe ist dieser Stift am B2 mal abgeschert und hat dazu geführt, dass plötzlich keine Vorwärtsgänge mehr funktionierten... Zum Glück 500m vor meiner Haustür, so dass ich auf R zurück in den Hafen schippern konnte. Den Druckkörper im Ganzen bekommt man durch leichtes Klopfen nach Innen heraus.

Auf Bild 3 erkennt man, wie der Sprengring des B1-Kolbens schon raus ist und wie weit der Kolben und der Deckel von den beiden Federn (ganz schön Dampf drauf) hochgedrückt wird. Zum Ausbau habe ich an der benachbarten Schraube der Ölkühlerleitungen einen Maulschlüssel eingehakt und diesen zusammen mit einer Rolle Tape als Unterlage als Niederdrückhebel genutzt. Dann gaanz vorsichtig lösen und mit der anderen Hand die Feder im Zaum halten...

Bild 4 zeigt das Getriebegehäuse von Innen, schon ohne Radsatz und ohne die beiden Bremsbandkolben. Der gelbe Plastik-Halter des B1-Kolbens sitzt vorn links noch drin. Ebenso das Bremsband B2 die Führung der Abtriebswelle am hinteren Ende.

Auf Bild 5 dann nochmal der B1-Kolben mit Federn, Halter und Deckel.

Schopy
04.10.2009, 11:54
Bild 1,2 und 3 zeigen nun den herausgenommenen Radsatz. 1 in kompletter Länge, 2 von vorn und 3 von hinten. Die geriffelten Aluteile sind die Sitze der K1 und K2. Im Inneren des Radsatzes sorgen diverse Planetensätze und ein Freilauf dazu, dass je nach Zustand der Kupplungen und Bremsbänder verschiedene Übersetzungen hergestellt werden. Im 4. Gang wird dann 1:1 übersetzt.

Auf Bild 4 sieht man den hinteren Abstützflansch (oben von mir auch als Abtriebswellenführung bezeichnet), wie er bereits ausgebaut daliegt. Auf ihm wieder zwei Teflonringe, wie auch schon vorn am LB3-Kolben.

Bild 5 zeigt den Schieber des Modulierdruckes mit der Einstelldose. Ab einem gewissen Baujahr wurde das Prinzip des T-Schlüssel unter der Gummikappe durch einen Drehschalter ersetzt.

Schopy
10.10.2009, 19:36
Weiter gehts mit dem Zerlegen des Radsatzes...Auf Bild 1 unschwer zu erkennen, hat die zerbrochene Tellerfeder der Lamellenbremse ihre Spuren hinterlassen. Im Grunde scheints nicht kritisch zu sein, da auf dem beschädigten Träger nichts dreht oder arbeitet. Der Planetensatz im Inneren ist freigängig und ohne Beschädigungen. Das Teil kommt aber trotzdem raus, weil ich günstig ein 722.408 bekommen habe, das als Spender für den Rückwärtsgangkolben dient. Dann wird eben auch noch der Planetenträger transplantiert (Teilenummern sind übrigens dieselben).

Auf Bild 2 kann man den Sprengring erkennen, welcher den Planetenträger im Gehäuse hält.

Bild 3 zeigt den bereits entnommenen Planetenträger von oben. Auf ihm ein kleines Nadellager, das ebenfalls einwandfrei ist.

Bild 4 gibt einen Eindruck des Restes des Radsatzes, noch mit aufgesteckter Antriebswelle. Auf Bild 5 ist die Antriebswelle dann runter, und man sieht Radial- und Axiallager auf dem Zapfen der Abtriebswelle.

Schopy
10.10.2009, 20:02
Jetzt kommt die Abtriebswelle raus...(Bild 6). Auf Bild 7 sieht man dann das Sonnenrad, um das die Planeten laufen und darunter in den (dunklen) Freilauf.

Auf Bild 8 dann das Gehäuse des Freilaufs, umgedreht und ohne die Wellen und mit dem Sprengring eingezeichnet, der hier wieder für Halt sorgt..

Bild 9 zeigt nochmal den Freilauf mit dessen "Deckel" (umgedreht rechts daneben), der als Träger der K2-Kupplung dient.

Auf Bild 10 dann Gehäuse mit Freilaufdeckel, den Freilauf selbst (sperrt in eine Richtung) und den K2-Träger.

Schopy
10.10.2009, 20:26
Und der Rest:

Auf Bild 11 die sperrenden Rollen des Freilaufs ohne den Innenring. Auf 12 nochmal alle drei Teile nebeneinander.

Bild 13 zeigt, wie man den Rollenring wieder in den Trägerring bekommt (schon drin). Ohne zurückdrücken der Rollen gehts leider nicht...die WIS schlägt kleine Haltebleche (ich nehme an, die Schiebersperren aus dem Schaltschiebergehäuse) mit A126er-Nummer als Hilfswerkzeug vor. Entsprechend dicke Streichhölzer gehen aber auch, wenn man diese vorher ein wenig entsplittert. Dann entgegen dem Uhrzeigersinn reindrehen.

Auf Bild 14 sieht man das Gehäuse noch mal leer.

Auf Bild 15 dann der komplett zerlegte Radsatz. Alles in Allem (bis auf den oben genannten Planetenträger) scheinbar sehr gut erhalten.

Schopy
17.10.2009, 22:27
...Und nachdem der Radsatz zerlegt wurde und ich den optisch ganz OK fand, habe ich mich ans Zusammenbauen gemacht. Im Prinzip nur zerlegen rückwärts, man sollte aber das Spiel des Freilaufs prüfen. Dazu lässt man die beiden O-ringe weg, baut das Ganze zusammen und misst mittels Fühlerlehre den Spalt zwischen dem Aluträger und dem Freilaudeckel (Bild 1, hier schon mit eingesetztem Sonnenrad). Der Spalt muss zwischen 0,05 und 0,2mm breit sein, dazu gibts beim Freundlichen für kleines Geld die auf dem Bild erkennbaren Ausgleichsscheiben. Natürlich sollte man auch die kleinen Radial- und Axiallager auf Zustand prüfen, und ob der Freilauf das Sonnenrad noch in Pfeilrichtung sperrt. Wenn OK, dann kann man den Radsatz wieder zusammenstecken. Außerdem sollte man noch den Schmierdruckring erneuern (Bild 2). Diesen einfach mit Fett (wie alle Teflonringe im Getriebe) einsetzen.

DB-400
23.12.2009, 12:53
Hallo Schopy, schöne Arbeit verrichtet!

Anbei ein paar kommentarlose Bilder von meiner Getrieberevision im August 2009.

Kurz zum Burn-out des Automaten. Gebrochener Ölrücklauf - verstopfter Schaltschieber - zuletzt komplett durchgebrannte Lamellen....

Gruß Ron